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DAS ÖSTERREICHISCHE CEMBALO

Von: Martin Pühringer


Das Cembalo wurde vor über 600 Jahren vom Wiener Arzt und Astrologen Hermann Poll (*1370) erfunden, soweit die Quellenlage.1) Poll wurde im Übrigen 1401 in Nürnberg aufs Rad geflochten und zu Tode gefoltert. Geschah dies infolge einer politischen Intrige, als Strafe für diese Erfindung oder als Strafe für die Behauptung dieser Erfindung, wir wissen es nicht. Ähnliches würde einem Österreicher heute für eine derartige Anmaßung vermutlich nicht mehr passieren. Weshalb so wenige österreichische Cembali erhalten sind, liegt vielleicht daran, dass die Hochblüte des Klavierbaus im Wien des ausgehenden 18. Jh. das Cembalo schließlich völlig verdrängte. Wenn auch nur ein knappes Dutzend österreichischer Kielinstrumente bekannt ist, so haben wir doch ein relativ klares Bild davon, wie ein typisch österreichisches Cembalo ausgesehen haben könnte. Es war zumeist einmanualig, hatte zwei 8 ́ Register und gelegentlich einen Lautenzug. Das eher dünnwandige Gehäuse war häufig aus einem Nadelholz, furniert oder farblich gefasst, manchmal auch aus Hartholz (Nussbaum). Saitenmensur und -material, Stegquerschnitte und Resonanzbodenanlage zeigten italienische und deutsche Einflüsse. Charakteristisch waren u.a. abgeschrägte Klaviaturbacken, ein herausnehmbares Vorsatzbrett, Blockrechen oder die innen aufgeleimten Springerleistenträger. Das wesentlichste Merkmal aber ist die so genannte "Wiener Baßoktav" mit ihren mehrfach gebrochenen Tasten. Einige wenige Stücke können nur auf einem derartigen Instrument adäquat wiedergegeben werden (z.B. Haydns Capriccio G-Dur Hob. XVII/1 "Acht Sauschneyder müssen sein"). Vermutlich bis 1770-1780 war diese Sonderform der kurzen Oktav vor allem im österreichischen Cembalobau - und vielleicht nicht nur dort - sehr wahrscheinlich eher die Regel und nicht die Ausnahme.

1)Alfons Huber (Hg.), Das österreichische Cembalo, Tutzing 2001


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