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SÄCHSISCHE BANDONIONGESCHICHTE

Von: Nicole Sandt, DAKAPO


Das Herz des argentinischen Tangos - das Bandonion - kommt ursprünglich aus dem Erzgebirge. Heinrich Band, ein deutscher Musiklehrer, hatte sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts Concertinas des Chemnitzer Instrumentenbauers Carl Friedrich Uhlig liefern lassen. Er verkaufte sie in seinem Geschäft in Krefeld und nahm einige Veränderungen vor, die er später unter dem Namen "Bandonion" vermarkte. "Bandonion" war wahrscheinlich ein Wortspiel mit seinem Namen "Band" und "Akkordion" sowie dem Firmennamen "Band-Union". Band ließ das Instrument ab ca. 1865 in Carlsfeld von Ernst Luis Arnold bauen. Dieser hatte 1888 die Carlsfelder Harmonikafabrik, das "Haus am Bach", von Carl Friedrich Zimmermann gekauft und aufgrund der steigenden Nachfrage vergrößert. Es entstand eine neue Werkhalle, die als ELA bekannt wurde. In Zusammenarbeit mit Heinrich Band vergrößerte Arnold den Tonumfang der Concertinas und schuf eine besondere Tonstimmung: das Bandonion war geboren. Nach seinem Tod übernahmen 1919 seine Söhne den Betrieb. Alfred Arnold, der jüngste Sohn, gründete 1911 eine neue Firma getreu seinem Namen "AA". Ungefähr 80% der produzierten Instrumente wurden nach Südamerika geliefert. Carlsfeld entwickelte sich zu einem international angesehenen Zentrum der Bandonionproduktion. Bis heute ist das Firmenzeichen "AA" eng mit dem Bandonion aus Carlsfeld verbunden. Weltwirtschaftskrise und zwei Weltkriege zwangen die Produktion zum Einhalt. 1948 folgte die Enteignung und ab 1953 die Angliederung an den VEB Klingenthaler Harmonikawerke. In den 60er Jahren ging die Nachfrage erheblich zurück. Anfang des 21. Jahrhunderts beginnt die Renaissance des Harmonikabaus in der Werkstatt Robert Wallschlägers in Carlsfeld. Mit seiner Frau Therese fertigt er Bandonions, Deutsche Concertinas und Steirische Harmonikas, die nicht nur bei internationalen Konzerten, sondern auch bei Musikveranstaltungen in der Region zum Einsatz kommen. Robert Wallschläger ist selbst leidenschaftlicher Banondionspieler und hat seinen Berufsweg sicherlich auch seinem Vater, einem passioniertem Sammler historischer Bandonions, zu verdanken.


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