Musikinstrumente-Thema
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CEMBALI AUS THÜRINGEN

Von: Wolfgang Wenke, Eisenach


Am mitteldeutschen Raum galten im 17. und 18. Jahrhundert vor allem Dresden, Freiberg und Leipzig als Zentren des Cembalobaus. Aber auch in Thüringen wurde dieser Instrumententyp hergestellt. Zwei zweimanualige Cembali wurden von der in Breitenbach (heute Großbreitenbach) im Thüringer Wald arbeitenden Instrumentenmacher-Familie Harraß hergestellt. Johann Matthias Harraß, der damals weithin bekannte Clavicymbelmacher aus dem Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, lebte von 1671 bis 1746. Er und seine Mitarbeiter müssen sehr gut ausgebildet und über die Musikpraxis ihrer Zeit gut informiert gewesen sein, um diese für ihre Zeit modernen Instrumente bauen zu können. Das Cembalo im Schlossmuseum Sondershausen (siehe Abb. rechts) aus der Zeit um 1690/1695 ist weitgehend im Originalzustand erhalten und wurde sicher für den Sondershäuser Hof gebaut. Im Berliner Musikinstrumenten-Museum befindet sich das andere, aber heute veränderte Harraß-Cembalo, um 1725 gebaut. Es hatte einen prominenten Vorbesitzer: Friedemann Bach, den 1710 geborenen ältesten Sohn Johann Sebastian Bachs. Wegen seines Alters scheint das Instrument aus der Bachfamilie zu stammen, vielleicht sogar aus dem Besitz des Vaters ...
Zum Bekanntheitsgrad der Breitenbacher Instrumentenmacher trug der Musikologe Jacob Adlung bei; er beschrieb vor 1726 ein "Breitenbachisches Claveßin" (wie das Berliner) in "Musica Mechanica Organoedi", gedruckt in Berlin, 1768. Auch im Nürnberger Anzeiger vom 7. Mai 1762 war zu erfahren: "Die Clavicimbelmacher von Breitenbach sind allhier angekommen, und haben 2 Clavicimbel, auch etliche Clavicordia zu verkaufen." Ein einmanualiges Thüringer Cembalo im Eisenacher Bachhaus, um 1715 datierbar, weist eine Reparatursignatur auf, welche Gräfenthal in Thüringen und das Jahr 1774 nennt. Auch sonstige Merkmale wie der Fundort Unterhasel bei Rudolstadt und das verwendete Saalfelder Fußmaß verweisen auf eine geografische Nähe zu Breitenbach. Hier einzubeziehen wäre auch der Ort Gehren, in welchem Johann Michael Bach Instrumentenbau betrieb. Weitere aus der Literatur bekannte Cembalobauer in Thüringen:

  • Christian Ernst und Christian Gottfried Friederici in Gera
  • Johann Nicolaus Bach in Jena (erfand auch das "Lautenclavicymbal", Lautenklang durch angezupfte Darmsaiten imitierend)
  • Johann Georg Gleichmann in Ilmenau (erfand das "Clavis Viola di Gamben Instrument", mit Streichinstrumentenklang durch Streichräder an Darmsaiten)
  • Johann Andreas Ziegler und Adam Eylenstein in Weimar
  • Elias Schlegel in Altenburg

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