Musikinstrumente-Thema
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BLASINSTRUMENTE AUS THÜRINGEN

Von: Wolfgang Wenke, Eisenach


In Thüringen gab es in mindestens 16 Orten Holz- und Metallblasinstrumentenbau. Der Bedarf an Metallblasinstrumenten wurde sicher zunächst von ortsansässigen Metallhandwerkern abgedeckt. Ein Beispiel dafür ist die Langtrompete von Schloss Sondershausen, ein kupfernes Instrument, 1539 in der Hofordnung des Grafen Günther als Signalinstrument "Tromette" erwähnt. Dieses Instrument wurde in einer einfachen Technologie hergestellt, welche eher einem Gürtler oder Kupferschmied zugeordnet werden kann. Dagegen entspricht eine Posaune von Balthasar Reuter, 1660 in Schmalkalden hergestellt, ganz dem in dieser Zeit, z. B. in Nürnberg praktizierten spezialisierten und zünftigen Handwerk. Sie ist nicht nur die einzige erhaltene Arbeit von Balthasar Reuter, sondern auch ein unikales Zeugnis hochwertigen Thüringer Metallblasinstrumentenbaus im 17. Jahrhundert. Grundlage für die Existenz von Instrumentenmachern war oft der Bedarf räumlich naher Residenzen mit ihren Hofkapellen. Die Sondershäuser Residenz ist ein Beispiel dafür. Der "Pfeifenmacher" Johannes Bohlmann in Frankenhausen baute 1681 zwei Kontrabass-Dulciane für den Sondershäuser Hof, zehn Jahre vorher lieferte er zwei Instrumente an die Leipziger Thomaskirche, sonst sind seine Erzeugnisse unbekannt. Andreas Eichentopf, Nordhausen, ebenfalls "Pfeifenmacher" und von 1670 bis 1721 lebend, stellte um1710 zwei Kontrabass-Fagotte her, die unikal blieben. Ein solches Instrument befindet sich ebenfalls in Sondershausen und ist zusammen mit den Kontrabass-Dulcianen ein Zeugnis für die Vorliebe der Hofkapelle für ein bassbetontes Klangfundament. In der Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Instrumentenmacher schon ganz dem Bedarf ihrer Abnehmer verpflichtet. So baute Andreas Diderich in Obermehler 1745 eine spätbarocke Posaune und etwa gegen Ende des Jahrhunderts ein innovatives Instrument, ein Klappenhorn.
Von Johann Siegmund Graf in Breitenbach sind zwischen 1745 und 1768 Hörner und Posaunen überliefert. In Hildburghausen arbeitete im frühen 18. Jahrhundert Hieronymus Heinrich Franck und in der Mitte des Jahrhunderts sein Sohn Johann Paulus Franck als Hornmacher. Wilhelm Christian Beck, "großherzoglicher Hofinstrumentenmacher" in Weimar, arbeitete dort in der Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 20 Jahre lang. Carl August Rosidor Rühlmann war in Rudolstadt 1835 bis 1885 als Metallblasinstrumentenmacher tätig, sein Sohn Fritz führte die Werkstatt bis zum ersten Weltkrieg. Die Firma Julius Rudolph in Gotha, "Hofinstrumentenmacher", existierte seit 1880, sie baute Klarinetten und Metallblasinstrumente aller Art. J. Rudolph lebte bis 1900, die Firma existierte noch bis 1950. August Eugen Hermann Hammer, geboren 1865 in Sondershausen, war ab ca. 1889 als Oboist und Erbauer von Oboeninstrumenten in Freiburg/Breisgau tätig, später, bis 1929, in Sondershausen. In Erfurt arbeitete Carl Christian Zielsdorf von etwa 1830 bis 1864, von ihm sind nur Posaunen überliefert. Eduard Kruspe begann 1836 in Erfurt mit dem Holzblasinstrumentenbau, vorher, ab 1829, war er schon in Mühlhausen tätig. Zwei seiner Söhne wurden auch Instrumentenmacher - Eduard Kruspe spezialisierte sich auf Metall-, Friedrich Wilhelm auf Holzblasinstrumente. Als eigenständige Unternehmen firmierten beide Brüder ab 1864, "C. Kruspe" für Holz- und "Ed. Kruspe" für Metallblasinstrumente - nach Übernahme der Werkstatt Zielsdorfs. Der Vater Carl lebte noch bis 1885, sein Enkel Carl II. gründete 1893 eine Filiale in Leipzig. Die Firma Kruspe war wohl die bedeutendste in Thüringen und durch ihre breite Produktpalette, Exporterfolge und Innovationen bekannteste und bis heute nachwirkende. 1920 übernahm Max Hüller die Firma "C. Kruspe" und verlegte die Produktion von Holzblasinstrumenten nach Schöneck im sächsischen Vogtland. Sein Sohn Kurt Hüller baute in Erfurt ab ca. 1935 noch Blockflöten, (z. B. die "Bärenreiter-Schulblockflöte"), arbeitete dort bis in die 1960er Jahre. Peter Heldmann in Wutha bei Eisenach stellte noch bis 2012 Metallblasinstrumente unter dem Firmennamen "Ed. Kruspe" her.


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