Musikinstrumente-Thema
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AKKORDEONBAU IN KLINGENTHAL

Von: Dr. Kurt Kauert


Die Musikinstrumentenfertigung war in Klingenthal bereits ca. 170 Jahre in Gang und umfasste sowohl Streich-, Zupf- als auch Holz- und Metallblasinstrumente, als ein neuartiges Musikinstrument eine besondere Epoche im Klingenden Tal einleitete: 1823 brachte der Klingenthaler Geigenbaumeister und Musikalienhändler Johann Georg Meisel (Schwarzmeisel) von der Braunschweiger Messe eine Mundharmonika mit, welche er beschloss nachzubauen. Die hölzernen Kanzellenkörper konnte Meisel als Geigenbauer selbst fertigen, weitere vorwiegend metallene Bestandteile (Tonzungen und -platten) gab er bei Gelbgießer Johann Langhammer aus dem böhmischen Graslitz in Auftrag. Allerdings blieben Hölzer und Platten jahrelang liegen, bis der Sohn Langhammers diese Instrumente endlich fertigstellte und sie seit etwa 1827 regelmäßig an die Firma Meisel in Klingenthal lieferte. 1829 erhielt der Holzblasinstrumentenbauer Johann Wilhelm Rudolph Glier eine "Mund-Harmonica" auf einer Geschäftsreise in Frankfurt a.M. zum Geschenk und baute diese Instrumente fortan in eigener Herstellung. Deshalb gilt allgemein das Jahr 1829 als der wahre Beginn der Herstellung von Instrumenten mit Tonzungen in der Musikstadt. Bis 1850 folgten weitere 8 Hersteller. 1829 war auch das Jahr, in dem Cyrill Demian in Wien auf das "Accordion" ein Patent erhielt. Über Umwege von Thüringen und Sachsen-Anhalt gelangte schließlich das Wissen um den Handharmonikabau nach Klingenthal, wo die Handharmonikaproduktion um 1852 begann. Damals brachte der Tischler Adolf Eduard Herold Instrumente des Magdeburger Unternehmens Friedrich Geßner mit nach Klingenthal und baute diese in der Werkstatt seines Vaters nach, wo bereits seit 1836 Mundharmonikas gefertigt wurden.Viele Mundharmonikaerzeuger wurden angeregt, ebenfalls Handharmonikas zu bauen. Ohne den Maschinenschlosser Julius Bertold wäre die Produktion im millionenfachen Ausmaß jedoch nicht möglich gewesen. Denn Julius Berthold sorgte dafür, dass bauliche Einzelteile maschinell in großen Stückzahlen ab 1870 hergestellt werden konnten. Klingenthal wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Weltzentrum der Harmonikaproduktion. Mitte der 1920er Jahre schätzte man den Umfang der Jahresproduktion auf 30 bis 35 Millionen Mundharmonikas und ca. eine Million Handharmonikas. Bis heute werden Mundharmonikas, Akkordeons, Bandoneons und Konzertinas von hoher Qualität in Klingenthal, wenn auch längst nicht mehr in solcher Stückzahl, gefertigt.

Quelle: Dr. Kurt Kauert:
Der Musikwinkel und die Harmonika, Marienberg 2000


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