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Nürnberger Trompetenbaukunst

Von: Norbert Neubauer


Nürnberger TrompetenbaukunstFür über 300 Jahre war Nürnberg eines der wichtigsten Zentren der Trompetenbaukunst. Die Blütezeit erstreckte sich besonders auf die Zeit von 1550 bis 1750, so dass beispielsweise 20 Trompetenmacherbetriebe gleichzeitig um ca. 1650 existierten. Darunter waren auch einige der bekanntesten Trompetenmacherfamilien, Ehe und Haas, aber auch Hainlein, Neuschel, Kodisch, Troschel und Nagel, von denen heute noch eine reiche Hinterlassenschaft in vielen Museen zu bestaunen ist.

Die wichtigste Grundlage für die bedeutungsvolle wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Nürnbergs wurde wohl bereits 1219 durch Kaiser Friedrich II gelegt. Mit der Ernennung zur freien Reichstadt hatten die Nürnberger weitreichende Freiheiten für die autonome Gestaltung des Wirtschaftslebens durch den Rat der Stadt. Dieser regelte mit großem Geschick das Zusammenwirken der verschiedenen Gewerke. Dies wird bereits bei der Herstellung von Messing, dem bis zum heutigen Tag wichtigsten Werkstoff für den Metallblasinstrumentenmacher, deutlich.

Die Nürnberger besaßen umfangreiche Schürfrechte im In- und Ausland und sicherten somit die Verfügbarkeit von Kupfer und Galmei, den grundlegenden Rohstoffen zur Messingherstellung. Letzteres wurde hauptsächlich in Gebieten um Köln, Goslar und Aachen abgebaut. Die Messingerzeugung selbst war durch den Rat der Stadt streng zwischen den sehr spezialisierten Gewerken – wie z.B. Messingbrenner, Messingschneider, Messingschläger und Messingschaber – geregelt. Gleiches galt für die Verteilung der Messingkontingente, so dass zunächst der erforderliche Bedarf der Stadt bedient werden musste und erst dann Verkäufe außerhalb der Stadt zulässig waren.

Nürnberger TrompetenbaukunstWas den Instrumentenbau selbst betrifft, so oblag auch die Herstellung von Instrumentenbestandteilen und die Durchführung von Dienstleistungen jeweils ausgewählten Handwerken. Beispielsweise wurden Knäufe aus Guss durch die Rotschmiede angefertigt, Veredelungen von Instrumententeilen (Silbergarnituren) durch die Goldund Silberschmiede vorgenommen oder Engelsköpfe zur Verzierung von den Gelbbrennern hergestellt. Man erkennt bereits hier, dass der Berufsstand, so wie er später in der Handwerksordnung von 1625 beschrieben wurde, sich aus verschiedensten Handwerken entwickelte und bereits im 17. Jhd. eine hohe Arbeitsteiligkeit mit „industrieller“ Struktur vorlag. Von der Vorstellung, dass alle Bestandteile eines Instruments damals stets in einer Werkstatt gefertigt worden wären, darf man sich getrost verabschieden. Vielmehr haben sich die damaligen Strukturen vom Grundsatz her bis heute erhalten.

Mit seiner geografischen Lage als „Quasi Centrum Europae“ war Nürnberg zentraler Knotenpunkt der damals wichtigsten Handelsstrassen und somit hervorragend geeignet um „Erlesenes“ in die Welt hinaus zu bringen. Der hohe Bekanntheitsgrad Nürnberger Kunst- und Gebrauchsgegenstände, verbunden mit klangvollen Namen wie Albrecht Dürer, Veit Stoß, Peter Fischer, Adam Kraft oder Peter Henlein strahlte positiv auf den Metallblasinstrumentenbau als Kunsthandwerk aus.

Nürnberger TrompetenbaukunstSeit dem 15. Jhd hatte sich Nürnberg jedoch auch bereits als eine der bekanntesten Musikstädte für fast sämtliche Instrumentengattungen fest etabliert. Die starke Nachfrage nach Prunk- und Kunstgegenständen durch den Adel tat das übrige, um den Berufsstand zur Entfaltung zu bringen. Als Symbol für Herrschaft und Macht waren Trompeten besonders für Repräsentationsaufgaben bei Hofe und in der Kunstmusik begehrt. Aber auch ihr Einsatz als Kriegsinstrument darf nicht unterschätzt werden. Zur Steuerung der Truppen waren Signalinstrumente ganz wesentlich. Man muss sogar davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Instrumente für den Kriegsdienst zum Einsatz kam.

Heute ist vom Nürnberger Trompetenbau, diesem damals blühenden Wirtschaftszweig, zumindest noch ein Hauch zu spüren. Inzwischen sind es statt 20 Metallblasinstrumentenmacher zwar nur noch drei, aber die Nürnberger Tradition der Trompetenbaukunst wird in zwei dieser Betriebe weitergeführt. Die beiden Instrumentenmachermeister Christoph Endres und Norbert Neubauer sind mit ihren Instrumenten bereits international bekannt, so dass dieses Kunsthandwerk auch heute wieder "durch alle Land" geht.

Abbildung 1: GNM
Abbildung 2, 3: Marcus Raquet

Norbert Neubauer, Nürnberg (www.barocktrompete.com)


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