Musikinstrumente-Thema
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„HIER IST DOCH GEWIS DAS CLAVIERLAND“, SCHRIEB W. A. MOZART EINST AN SEINEN VATER.

Von: Franz Nistl


Auch wenn nun Wien nicht mehr eine herausragende Stellung im Klavierbau einnimmt, als Musikland hat sich Österreich seinen Weltruf erhalten und Klaviere sind unverzichtbar zur eigenen Musikgestaltung, zur Ausbildung bis hin zu den Flügeln auf den Konzertpodien. Umso verwunderlicher ist es, dass gerade in einem Land, bei dem so viel Wert auf Tradition gelegt wird, es bis vor nicht langer Zeit keine Vereinigung von Klaviermachern gegeben hat. Es ist jetzt gerade einmal 11 Jahr her, dass der KVO - Klaviermacherverband Österreich - gegründet wurde. Dass es nach einigen Fehlversuchen endlich gelang, lag in erster Linie an dem strikten Auswahlverfahren, das der Gründung zugrunde lag. Die Kandidaten mussten Klaviermachermeister und in ihrem Umfeld bestens integriert sein. Die Mitgliedsbetriebe sollten über das ganze Land verteilt sein und auch unterschiedliche Tätigkeitsfelder im Klavierbau abdecken. Nicht zuletzt sollte auch die Chemie unter den handelnden Personen stimmen. So wurde der KVO 2001 in Wien mit 19 Mitgliedern gegründet. Nach einer zaghaften Erweiterung wurde 2011 entschieden, auch nicht geprüften Meistern den Zugang zum KVO zu ermöglichen, sodass der Verein nun knapp 40 Klaviermacher umfasst. Die Mitglieder repräsentieren jetzt eine ausgewogene Mischung an Verrichtungen, die einem Klavier zuteil werden können. Hier haben wir Produzenten hochwertigster Flügel und Pianos, dazu Spezialisten für große Reparaturen und Restauratoren kostbarer historischer Tasteninstrumente. Da gibt es Geschäftslokale, die seit Generationen von einer Familie geführt werden, bis zu kleinen Neugründungen. Den Klavierstimmer, der um den guten Klang des Klavieres im Wohnzimmer ringt, wie welche, die auf dem Konzertpodium in Zusammenarbeit mit den berühmtesten Pianisten an letzten kleinen Klangnuancen feilen. Sie alle treffen sich dann bei KVO-Veranstaltung, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Von Anfang an war es ein Hauptanliegen, den Gemeinschaftssinn zu fördern. Alle Mitglieder bleiben untereinander im täglichen Geschäft ja Konkurrenten, aber das soll mit Respekt und Fairness geschehen. Nicht zuletzt präsentiert sich der KVO nach außen über das Wirken der einzelnen Mitgliedsbetriebe. Zu unseren Tagungen laden wir namhafte Firmen zu Fachvorträgen ein, eine Möglichkeit für unsere Mitglieder ständig über neue Produkte auf dem Laufenden zu sein. Aber besonderen Wert legen wir auf Themen abseits der täglichen Arbeitsroutine. So haben wir die vier neuen Konzertsäle im Wiener Musikvereinsgebäude unter spezieller Führung in Person des Akustik Designers der Säle "erhören" können. Ein ander Mal wies uns der wissenschaftliche Leiter der Stiftung Mozarteum in die akribische Detektivarbeit zur Beweisführung zweifelhafter Kompositionen Mozarts ein. Große Sorgen machen wir uns um Ausbildungsmöglichkeiten für unseren Beruf. Die Struktur der Mitgliedsbetriebe lässt leider eine qualitätsvolle Lehrausbildung in nur ganz wenigen Betrieben zu. Wir alle lieben diesen wunderbaren Beruf und wünschen uns Möglichkeiten, diesen an junge interessierte Menschen weitervermitteln zu können.

Franz Nistl, Klaviermachermeister, KVO- Präsident


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