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Die Orgelbauerfamilie Ratzmann

Von: Andreas Schmidt


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Wilhelm RatzmannAnton August RatzmannFranz Georg Ratzmann (*1771 Ernstroda- Cumbach, †05.05.1846 Ohrdruf) ließ sich 1792 als Orgelbauer in Ohrdruf/Thüringen nieder. Von seinen zehn Kindern überlebten sechs. Drei davon erlernten bei ihm den Orgelbau. Auch Ernst Sauer, der Gründer von Sauer Orgelbau Frankfurt/ Oder, hatte sich bei Ratzmann ausbilden lassen. Unter der Leitung von F.G. Ratzmann wurden hervorragende Instrumente gebaut. Bekannt sind heute allerdings nur etwa 14, darunter eine dreimanualige Orgel (Fulda, Stadtpfarrkirche). Sein Sohn Johann Heinrich Ludwig (*07.05.1804 Ohrdruf, †25.02.1875 Ohrdruf) übernahm 1846 mit seinem älteren Bruder Johann Friedrich Heinrich (*23.06.1800 Ohrdruf, †30.7.1881 Ohrdruf) zusammen die Werkstatt. Die Brüder bauten Instrumente in hoher Qualität, vermutlich tauschten sie sich in dieser Zeit auch mit ihrem jüngeren Bruder Wilhelm August (*22.11.1812 Ohrdruf †25.11.1880 Gelnhausen) aus, der sich bereits um 1839 wegen der Leitung des Bau’s einer großen Orgel (für die Bergkirche in Niedergründau) in Gelnhausen niedergelassen hatte.

Der Durchbruch von Wilhelm August Ratzmans’ Werkstatt in Gelnhausen begann 1846. Unter Verwendung seines eigenen Namens baute er ein Werk nach dem anderen und soll rund 75 Orgeln erschaffen bzw. an ihnen gearbeitet haben. Ab etwa 1870 bevorzugte er die mechanische Kegellade, baute aber auch traditionell die Schleiflade weiter. Seine Werke gelten als robust, souverän und fein. Drei seiner vier Kinder wurden Orgelbauer und erweiterten nacheinander ihre Kenntnisse in renommierten Betrieben bevor sie jeweils wieder heimkehrten. Orgelbau Schmidt1880, nach dem Tod von Wilhelm August Ratzmann, wurde der Betrieb von seinen Söhnen Wilhelm (II) und Anton August unter dem Namen „Gebrüder Ratzmann“ fortgeführt.

Unter dem Einfluss neuer angewendeter Techniken konnten die Brüder zukunftsweisende Instrumente erschaffen, die in ihrer klanglichen und technischen Qualität kaum zu überbieten waren. Die Auftragsbücher füllten sich, und es sollten zwischen 1880 und 1921 weitere 48 Orgeln von Ratzmann entstehen. Nachdem Wilhelm 1911 verstorben war, versuchte seine hinterlassene Witwe, das Geschäft von ihrem Schwager Anton August loszureißen. Es gab Streitigkeiten. August Ratzmann gelang es nicht, das Geschäft in seinem Namen weiterzuführen. Die Witwe Ratzmann verkaufte es 1921 an den Steinmeyer-Schüler Richard Schmidt. Drei Ratzmann- Generationen, aus denen 7 Orgelbauer hervorgegangen sind, haben in knapp 130 Jahren etwa 150 neue Orgeln erschaffen. Allein in Hanau stand in jeder, der bis dahin 8 existierenden Kirchen eine Ratzmann-Orgel. Das Wirkungsfeld der Orgelbauerfamilie erstreckte sich auf Thüringen und Hessen (insbes. dem heutigen Main-Kinzig-Kreis, den Raum Frankfurt am Main, die Rhön und Oberhessen).

Andreas Schmidt (www.orgelbau-schmidt.de)


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